Ihre Website lädt zu langsam. Der Support antwortet nicht. Die Rechnung ist jeden Monat höher als erwartet. Sie wissen, dass ein Hosting-Wechsel längst fällig wäre, aber die Vorstellung, dabei etwas kaputtzumachen oder die Website stundenlang offline zu haben, hält Sie davon ab.
Ein WordPress-Umzug ist mit der richtigen Reihenfolge zuverlässig durchführbar, ohne Datenverlust und ohne nennenswerte Ausfallzeit. Dieser Artikel zeigt den gesamten Prozess von Anfang bis Ende.
Was beim Umzug tatsächlich übertragen werden muss
WordPress besteht aus zwei Teilen, die beide auf den neuen Host müssen.
Der erste Teil sind die Dateien: Ihr Theme, alle installierten Plugins, hochgeladene Bilder und Dokumente sowie die WordPress-Kerndateien. Diese liegen im Filesystem Ihres Servers, meistens im Verzeichnis public_html oder www.
Der zweite Teil ist die Datenbank: Alle Seiten, Beiträge, Einstellungen, Benutzer und Plugin-Konfigurationen sind in einer MySQL-Datenbank gespeichert. Ohne die Datenbank haben Sie zwar das Design, aber keinen Inhalt.
Beide Teile müssen übertragen und korrekt miteinander verknüpft werden. Das ist der Kern des Umzugs.
Vorbereitung: Was Sie vor dem Start brauchen
Bevor Sie anfangen, stellen Sie sicher, dass Sie Folgendes zur Hand haben:
- Zugangsdaten zum alten Hosting (FTP/SFTP oder Dateimanager im Control Panel)
- Zugangsdaten zur alten Datenbank (Datenbankname, Benutzer, Passwort, zu finden in
wp-config.php) - Zugangsdaten zum neuen Hosting (FTP/SFTP und Datenbank-Verwaltung)
- Zugang zu Ihrer Domain-Verwaltung, um die DNS-Einstellungen ändern zu können
Planen Sie den Umzug auf einen Zeitpunkt, an dem Ihre Website wenig Besucher hat, typischerweise nachts oder am Wochenende. Nicht weil zwingend eine Ausfallzeit entsteht, aber weil allfällige Probleme dann weniger Nutzer betreffen.
Schritt 1: Vollständiges Backup erstellen
Bevor Sie irgendetwas anfassen, erstellen Sie ein vollständiges Backup der bestehenden Website. Das gilt auch dann, wenn das Backup beim Umzug direkt als Transferdatei dient.
Mit dem Plugin UpdraftPlus geht das am einfachsten: Nach der Installation unter "Einstellungen > UpdraftPlus" auf "Jetzt sichern" klicken. Wählen Sie, dass sowohl Dateien als auch Datenbank gesichert werden. Laden Sie anschliessend beide Backup-Dateien auf Ihren Computer herunter.
Alternativ können Sie die Dateien per FTP herunterladen (empfohlen: FileZilla, kostenlos) und die Datenbank über phpMyAdmin exportieren. In phpMyAdmin die Datenbank auswählen, dann "Exportieren" und als Format "SQL" wählen.
Das Backup erfüllt zwei Zwecke: Es ist Ihre Sicherheitslinie falls etwas schiefgeht, und es ist die Ausgangsdatei für den Transfer.
Schritt 2: Neues Hosting einrichten
Bestellen Sie das neue Hosting-Paket und richten Sie dort zunächst eine neue, leere Datenbank ein. Im Control Panel des neuen Anbieters finden Sie diesen Punkt meistens unter "Datenbanken" oder "MySQL-Datenbanken".
Notieren Sie sich:
- Datenbankname
- Datenbankbenutzer und Passwort
- Datenbankhost (meistens
localhost)
Installieren Sie noch kein WordPress über den "1-Klick-Installer" des neuen Hosts. Sie übertragen die bestehende Installation manuell, was zuverlässiger ist als eine Neuinstallation zu überschreiben.
Schritt 3: Dateien auf den neuen Host übertragen
Verbinden Sie sich per FTP mit dem neuen Hosting-Server und laden Sie alle WordPress-Dateien in das Stammverzeichnis hoch (meistens public_html). Das umfasst den kompletten Inhalt des alten public_html-Ordners: wp-admin, wp-content, wp-includes und alle einzelnen Dateien im Wurzelverzeichnis wie wp-config.php, .htaccess und index.php.
Der Upload aller Dateien dauert je nach Website-Grösse und Verbindungsgeschwindigkeit zwischen 20 Minuten und mehreren Stunden. Grosse Medienbibliotheken sind der häufigste Zeitfaktor.
Tipp für grosse Websites: Komprimieren Sie den wp-content/uploads-Ordner auf dem alten Server zu einer ZIP-Datei, übertragen Sie diese ZIP auf den neuen Server und entpacken Sie sie dort direkt. Das ist deutlich schneller als Tausende kleiner Dateien einzeln per FTP zu übertragen.
Schritt 4: Datenbank importieren
Öffnen Sie phpMyAdmin auf dem neuen Hosting. Wählen Sie die neu erstellte, leere Datenbank aus und klicken Sie auf "Importieren". Laden Sie die SQL-Datei hoch, die Sie in Schritt 1 exportiert haben.
Bei grossen Datenbanken (über 100 MB) kann das Upload-Limit von phpMyAdmin ein Problem sein. In diesem Fall bietet BigDump (ein PHP-Skript für grosse Importe) oder der Import über die Kommandozeile eine Alternative.
Schritt 5: wp-config.php anpassen
Nach dem Dateitransfer muss WordPress wissen, wie es die neue Datenbank erreicht. Öffnen Sie die Datei wp-config.php auf dem neuen Server mit einem Texteditor oder dem Dateimanager des Control Panels.
Passen Sie diese vier Zeilen an:
define( 'DB_NAME', 'neuer_datenbankname' );
define( 'DB_USER', 'neuer_datenbankbenutzer' );
define( 'DB_PASSWORD', 'neues_datenbankpasswort' );
define( 'DB_HOST', 'localhost' );
Ersetzen Sie die Werte durch die Zugangsdaten der neuen Datenbank aus Schritt 2. Den DB_HOST-Wert lassen Sie in den meisten Fällen auf localhost.
Schritt 6: Website auf dem neuen Host testen
Bevor Sie die DNS-Einstellungen umschalten, sollten Sie die Website auf dem neuen Server testen. Das ist möglich, indem Sie die hosts-Datei auf Ihrem Computer temporär anpassen.
Die hosts-Datei befindet sich unter Windows unter C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts und unter macOS/Linux unter /etc/hosts. Fügen Sie eine Zeile mit der IP-Adresse des neuen Servers und Ihrer Domain hinzu:
123.456.789.0 ihredomain.ch
Ersetzen Sie 123.456.789.0 durch die tatsächliche IP des neuen Servers (beim Anbieter erfragbar). Nach dem Speichern lädt Ihr Browser die Domain direkt vom neuen Server, während alle anderen Besucher noch die alte Website sehen.
Prüfen Sie jetzt: Lädt die Startseite korrekt? Funktionieren interne Links? Können Sie sich im WordPress-Backend einloggen? Werden Bilder angezeigt? Funktioniert das Kontaktformular?
Wenn alles stimmt, machen Sie die Änderung in der hosts-Datei rückgängig.
Schritt 7: DNS umschalten
Jetzt folgt der eigentliche Umzug der Domain. Öffnen Sie die DNS-Verwaltung Ihrer Domain beim Registrar, also dem Anbieter, bei dem Sie die Domain registriert haben.
Ändern Sie den A-Record der Domain von der IP-Adresse des alten Servers auf die IP-Adresse des neuen Servers. Wenn Sie eine Subdomain www haben, passen Sie auch deren A-Record oder CNAME an.
DNS-Änderungen propagieren sich über das weltweite DNS-System und brauchen in der Regel zwischen 15 Minuten und 24 Stunden, bis sie überall ankommen. Während dieser Zeit sehen verschiedene Nutzer je nach ihrem DNS-Provider noch den alten oder schon den neuen Server. Halten Sie deshalb den alten Server noch 48 bis 72 Stunden aktiv.
Schritt 8: SSL-Zertifikat auf dem neuen Host aktivieren
Nach der DNS-Umschaltung muss auf dem neuen Server ein SSL-Zertifikat aktiviert werden, damit Ihre Website weiterhin über HTTPS erreichbar ist. Die meisten modernen Hosting-Anbieter stellen Let's-Encrypt-Zertifikate automatisch aus, sobald die DNS-Einträge auf ihren Server zeigen.
Prüfen Sie im Control Panel, ob HTTPS aktiv ist. Rufen Sie anschliessend Ihre Website über https:// auf und prüfen Sie, ob das Schloss-Symbol im Browser erscheint.
Falls Inhalte der Seite noch über http:// geladen werden (sogenannte Mixed-Content-Warnungen), helfen Plugins wie "Really Simple SSL" bei der Bereinigung.
Was häufig schiefgeht
Datenbankpräfix falsch. WordPress verwendet standardmässig den Tabellenpräfix wp_. Wenn Ihre Installation einen anderen Präfix verwendet (z.B. xyz_), muss dieser in wp-config.php unter $table_prefix korrekt eingetragen sein.
Permalinks funktionieren nicht. Wenn nur die Startseite lädt, aber alle anderen Seiten einen 404-Fehler zeigen, liegt das meist an der .htaccess-Datei oder fehlenden Mod-Rewrite-Regeln. Im WordPress-Backend unter "Einstellungen > Permalinks" einmal auf "Speichern" klicken, um die .htaccess neu zu schreiben.
Datei-Rechte falsch gesetzt. Dateien sollten die Berechtigung 644 haben, Verzeichnisse 755. Falsch gesetzte Rechte verhindern, dass WordPress Dateien lesen oder schreiben kann. Im Dateimanager oder per FTP können Sie die Rechte prüfen und anpassen.
Caching zeigt alte Inhalte. Wenn Sie ein Caching-Plugin nutzen, leeren Sie nach dem Umzug den Cache vollständig. Sonst kann es passieren, dass noch gecachte Seiten vom alten Server ausgeliefert werden.
Wann es sinnvoll ist, den Umzug zu delegieren
Ein WordPress-Umzug ist für technisch versierte Nutzer gut selbst durchführbar. Wenn Sie aber unsicher sind beim Umgang mit FTP, Datenbanken oder der wp-config.php, ist es sinnvoller, den Umzug von jemandem erledigen zu lassen, der das routinemässig macht.
Das Risiko eines selbst durchgeführten, aber fehlerhaften Umzugs ist grösser als die Kosten eines professionellen Umzugs. Ein beschädigter Import oder falsch konfiguriertes SSL kann mehr Zeit kosten als der Umzug selbst.
Viele Hosting-Anbieter bieten kostenlose Migrationshilfe an. Bei HostBott ist die Migration inklusive: Wir übernehmen den gesamten Prozess, sodass Ihre Website ohne Ausfallzeit auf unseren Servern landet.