WordPress-Backup richtig einrichten: Schritt-Anleitung

HostBott Team20. März 2026 9 Min. Lesezeit

Ein Schreiner aus dem Kanton Bern betreibt seit vier Jahren eine WordPress-Website. Referenzfotos, Preisliste, Kontaktformular. Jeden Monat sagt er sich, er sollte endlich ein vernünftiges Backup einrichten. Dann kommt der Tag, an dem sein Hosting-Anbieter eine Hardware-Störung meldet. Die Website ist weg. Der Support erklärt nach zwei Tagen: Das Backup auf Anbieterseite sei in diesem Fall nicht verfügbar.

Vier Jahre Inhalt, alle Fotos, die eingestellten Texte, die SEO-relevanten Seiten. Alles weg.

Diese Geschichte ist nicht erfunden. Sie passiert regelmässig, und sie passiert fast ausschliesslich Menschen, die die Backup-Einrichtung immer wieder aufgeschoben haben. Dieser Artikel erklärt, wie ein WordPress-Backup-System aussieht, dem Sie tatsächlich vertrauen können.


Warum das Backup Ihres Hosting-Anbieters nicht Ihr Backup ist

Viele Hosting-Pakete enthalten eine Backup-Funktion. Das ist gut und besser als nichts. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Backup, das für Wartungszwecke des Anbieters gedacht ist, und einem Backup, das Sie als Notfallreserve tatsächlich kontrollieren.

Das erste Problem: Anbieter-Backups und Ihre Website liegen oft auf derselben Infrastruktur. Wenn es einen schwerwiegenden Hardware-Fehler gibt, ein Rechenzentrum abbrennt oder ein kritischer Fehler auf Anbieterseite passiert, können beide gleichzeitig betroffen sein.

Das zweite Problem: Retention. Viele Anbieter-Backups bewahren nur die letzten 7 oder 14 Tage auf. Wenn Sie bemerken, dass etwas seit drei Wochen falsch ist, hilft Ihnen das aktuellste Backup nicht.

Das dritte Problem: Umfang. Manche Backup-Systeme sichern nur die Datenbank, nicht aber hochgeladene Dateien. Oder umgekehrt. Ein unvollständiges Backup ist bei der Wiederherstellung oft wertlos.

Der Grundsatz für ein ernsthaftes Backup: Es liegt ausserhalb der Kontrolle des Hosting-Anbieters, es umfasst alles, und Sie haben es mindestens einmal erfolgreich wiederhergestellt.


Was bei WordPress gesichert werden muss

Eine WordPress-Website besteht aus zwei unabhängigen Teilen, die beide gesichert werden müssen.

Die Datenbank

In der MySQL-Datenbank steckt der gesamte Inhalt: Beiträge, Seiten, Kommentare, Einstellungen, Benutzerdaten, WooCommerce-Bestellungen und Konfigurationen aller installierten Plugins. Die Datenbank ist oft relativ klein (wenige Megabyte bis einige hundert Megabyte), enthält aber die wertvollsten Daten.

Eine Datenbank ohne die zugehörigen Dateien lässt sich zwar prinzipiell wiederherstellen, aber ohne das passende Theme und die Plugins fehlt der Rahmen.

Die Dateien

Der Dateianteil umfasst den WordPress-Kern, alle Themes, alle installierten Plugins und vor allem den "uploads"-Ordner. Im uploads-Ordner stecken alle Bilder, PDFs und andere Mediendateien, die Sie in WordPress hochgeladen haben. Dieser Ordner wächst mit jeder Woche, er wird nicht automatisch von WordPress selbst gesichert, und er kann je nach Website mehrere Gigabyte umfassen.

Eine Datenbank-Sicherung ohne die Dateien ist keine vollständige Sicherung. Für eine erfolgreiche Wiederherstellung brauchen Sie beides.


Wie oft gesichert werden sollte

Die richtige Backup-Frequenz hängt davon ab, wie oft sich Ihre Website verändert.

Eine statische Broschüren-Website, die einmal pro Monat aktualisiert wird: Ein wöchentliches Backup der Dateien und ein tägliches Datenbankbackup reichen aus. Die Dateien ändern sich kaum, aber die Datenbank könnte Formulareingaben oder Log-Daten von Plugins enthalten.

Ein aktiver Blog mit mehreren Artikeln pro Woche: Täglich für Datenbank und Dateien.

Ein WooCommerce-Shop: Die Datenbank sollte mehrmals täglich gesichert werden. Bestellungen, Kundendaten und Lagerbestände ändern sich kontinuierlich. Ein Datenverlust von wenigen Stunden kann bedeuten, dass Bestellungen verloren gehen.


UpdraftPlus einrichten: die wichtigsten Einstellungen

UpdraftPlus ist das am weitesten verbreitete Backup-Plugin für WordPress. Die kostenlose Version ist für die meisten Websites ausreichend. Über zwei Millionen aktive Installationen und eine lange Entwicklungsgeschichte machen es zur verlässlichsten freien Wahl.

Installation

Gehen Sie im WordPress-Dashboard zu "Plugins > Neues Plugin hinzufügen" und suchen Sie nach "UpdraftPlus". Installieren und aktivieren Sie das Plugin. Die Einstellungen finden Sie unter "Einstellungen > UpdraftPlus Backups".

Zeitplan konfigurieren

Im Reiter "Einstellungen" sehen Sie zwei separate Zeitplan-Einstellungen: einen für Dateien und einen für die Datenbank. Stellen Sie die Datenbank auf "täglich" ein und die Dateien je nach Änderungsfrequenz Ihrer Website auf täglich oder wöchentlich.

Unter "Aufbewahrung" legen Sie fest, wie viele Backups aufbewahrt werden. Der Wert "2" bedeutet, dass nur die zwei neuesten Backups behalten werden. Für die meisten Websites empfehlen sich sieben tägliche Backups (eine Woche Rückblick) oder fünf wöchentliche.

Remote-Speicher einrichten

Das ist der entscheidende Schritt, den viele überspringen. Backups, die nur auf demselben Server liegen, helfen nicht, wenn der Server das Problem ist.

UpdraftPlus unterstützt in der kostenlosen Version folgende externe Speicherziele:

Google Drive: Einfach einzurichten, wenn Sie bereits ein Google-Konto haben. Kostenlos bis 15 GB, danach ab CHF 2.79 pro Monat für 100 GB.

Dropbox: Ähnlich einfach, kostenlos bis 2 GB. Für grössere Websites schnell zu knapp.

Amazon S3: Etwas technischer in der Einrichtung, aber sehr zuverlässig und kosteneffizient für grosse Backup-Mengen. Kosten richten sich nach dem Speichervolumen.

FTP/SFTP zu einem separaten Server: Die technisch sicherste Option, wenn Sie einen zweiten Server oder ein separates Hosting-Konto bei einem anderen Anbieter haben. Kein Drittanbieter-Cloud-Dienst involviert.

Für die meisten Schweizer KMU ist Google Drive oder OneDrive (verfügbar in der kostenpflichtigen UpdraftPlus-Version) ein guter Kompromiss zwischen Einfachheit und Zuverlässigkeit.

Manuelles Backup vor Updates

Bevor Sie grössere WordPress-Updates, Plugin-Updates oder Theme-Updates einspielen, sollten Sie ein manuelles Backup erstellen. In UpdraftPlus genügt ein Klick auf "Jetzt sichern" auf der Hauptseite des Plugins. Wählen Sie dabei "Datenbank und Dateien sichern" und bestätigen Sie. Das Backup wird inklusive Transfer in den konfigurierten Remote-Speicher erstellt.


BackWPup als Alternative

Wenn Sie lieber ein Plugin ohne kostenpflichtige Premium-Version verwenden möchten, ist BackWPup eine solide Alternative. Es ist komplett kostenlos, unterstützt externe Speicherziele wie Amazon S3, Dropbox und FTP, und erlaubt detaillierte Zeitpläne für verschiedene Backup-Typen.

BackWPup ist etwas technischer in der Konfiguration als UpdraftPlus und hat eine weniger intuitive Benutzeroberfläche. Für technisch versierte Nutzer ist es aber eine vollwertige Lösung.


Der meistgeskippte Schritt: die Wiederherstellung testen

Ein Backup, das Sie nie wiederhergestellt haben, ist ein theoretisches Backup. Sie wissen nicht, ob es funktioniert. Sie wissen nicht, wie lange es dauert. Und Sie werden das erste Mal unter Druck herausfinden, ob es tatsächlich klappt, was der denkbar schlechteste Zeitpunkt ist.

Das Testen einer Wiederherstellung ist keine Expertentätigkeit. Es gibt zwei Wege, das zu tun.

Option 1: Lokale Testumgebung mit LocalWP

LocalWP (localwp.com) ist eine kostenlose Anwendung für Windows und macOS, mit der Sie eine vollständige WordPress-Umgebung auf Ihrem eigenen Computer betreiben können. Laden Sie eines Ihrer UpdraftPlus-Backups herunter, installieren Sie LocalWP, richten Sie eine neue lokale WordPress-Installation ein und stellen Sie das Backup dort wieder her. UpdraftPlus hat dafür einen eingebauten "Importieren"-Button.

Das gesamte Verfahren dauert beim ersten Mal etwa 30 bis 45 Minuten. Was Sie dabei lernen: ob das Backup vollständig ist, wie der Wiederherstellungsprozess konkret aussieht, und wie lange es dauert.

Option 2: Staging-Umgebung beim Hosting-Anbieter

Viele Hosting-Anbieter bieten eine Staging-Funktion: eine isolierte Kopie Ihrer Website, auf der Sie testen können, ohne die Live-Website zu beeinflussen. Stellen Sie das Backup auf der Staging-Umgebung wieder her und prüfen Sie, ob alles korrekt funktioniert.

Welche Methode Sie wählen, ist weniger wichtig als der Fakt, dass Sie es tun. Legen Sie einen konkreten Termin fest: "Ich teste die Wiederherstellung bis Ende dieses Monats." Dann tun Sie es.


Managed WordPress Hosting als Alternative

Wenn der Gedanke, Backup-Plugins zu konfigurieren, externe Speicher einzurichten und Wiederherstellungen zu testen, nach mehr Aufwand klingt, als Sie regelmässig investieren möchten, ist Managed WordPress Hosting eine sinnvolle Alternative.

Gute Managed-Hosting-Anbieter erstellen täglich automatische vollständige Backups, speichern diese ausserhalb der Haupt-Infrastruktur, und bieten eine garantierte Wiederherstellung mit wenigen Klicks oder auf Anfrage. Der Unterschied zu einfachem Hosting: Backup und Restore sind keine optionale Funktion, sondern Teil des Dienstes.

Das bedeutet nicht, dass ein Managed-Hosting-Backup ein Ersatz für das Lesen und Verstehen des Themas ist. Aber es bedeutet, dass Sie die technische Umsetzung in professionelle Hände geben können.


Drei Schritte, die Sie diese Woche angehen können

Alles in diesem Artikel lässt sich auf drei konkrete Handlungen reduzieren.

Schritt 1: Installieren Sie UpdraftPlus und richten Sie einen Backup-Zeitplan ein. Datenbank täglich, Dateien täglich oder wöchentlich. Das dauert 15 Minuten.

Schritt 2: Verbinden Sie UpdraftPlus mit einem externen Speicher. Google Drive ist der einfachste Einstieg. Das dauert weitere 10 Minuten.

Schritt 3: Testen Sie die Wiederherstellung bis in spätestens zwei Wochen. Laden Sie das erste erstellte Backup herunter und stellen Sie es in einer lokalen Umgebung oder auf einem Staging-System wieder her.

Wer diese drei Schritte abgeschlossen hat, hat ein Backup-System, das tatsächlich funktioniert. Nicht theoretisch, sondern nachgewiesen.