Sie wechseln Ihren Hosting-Anbieter und möchten Ihre Domain mitnehmen. Sie kündigen beim alten Anbieter, registrieren sich beim neuen und stellen fest: Die Domain hängt noch beim alten Anbieter. Der Transfer läuft nicht automatisch. Und plötzlich tauchen Begriffe auf wie "Auth-Code", "Transfersperre" und "EPP-Key", die niemand vorher erwähnt hat.
Ein Domain-Transfer ist kein komplizierter Vorgang, aber er hat mehrere Schritte, die in der richtigen Reihenfolge erledigt werden müssen. Wer das weiss, hat keine Überraschungen.
Was ein Domain-Transfer überhaupt ist
Eine Domain ist bei einem Registrar registriert. Das ist das Unternehmen, das die Domain in Ihrem Namen beim jeweiligen Vergabesteller (für .ch ist das SWITCH, für .com ist es ICANN) eingetragen hat.
Ein Transfer bedeutet: Die Verwaltung der Domain wechselt von einem Registrar zu einem anderen. Die Domain selbst, ihre DNS-Einträge und ihre Erreichbarkeit bleiben während des Transfers bestehen. Was sich ändert, ist nur, wer die Domain verwaltet und über wen die Verlängerung abgerechnet wird.
Wichtig: Ein Domain-Transfer ist nicht dasselbe wie ein DNS-Umzug. Sie können die Nameserver Ihrer Domain auf einen neuen Anbieter umzeigen, ohne die Domain zu transferieren. Und umgekehrt können Sie die Domain zu einem neuen Registrar transferieren und trotzdem dieselben Nameserver behalten.
Bevor Sie beginnen: Was zu prüfen ist
Läuft die Domain bald ab?
Ein Transfer dauert je nach TLD zwischen 5 und 7 Tagen, manchmal länger. Wenn Ihre Domain in den nächsten zwei Wochen abläuft, ist ein Transfer zu diesem Zeitpunkt riskant. Bei manchen Registraren wird eine ablaufende Domain während des Transfers nicht automatisch verlängert. Im Zweifelsfall verlängern Sie die Domain erst beim alten Anbieter und starten den Transfer danach.
Gibt es eine Transfersperre?
Neu registrierte Domains haben bei den meisten TLDs eine 60-tägige Transfersperre (bei .com, .net und anderen gTLDs ist das eine ICANN-Regel). Innerhalb dieser Frist kann die Domain nicht zu einem anderen Registrar transferiert werden. Bei .ch-Domains gibt es diese automatische Sperre nicht, aber der aktuelle Registrar kann manuell eine Sperre setzen.
Prüfen Sie im Verwaltungsportal Ihres aktuellen Anbieters, ob eine Transfersperre aktiv ist. Falls ja, deaktivieren Sie sie dort, bevor Sie den Transfer starten.
Der Transfer Schritt für Schritt
Schritt 1: Auth-Code beim alten Anbieter anfordern
Der Auth-Code (auch EPP-Code, Transfer-Code oder Authorization Code genannt) ist ein Passwort für die Domain. Er beweist dem neuen Registrar, dass Sie berechtigt sind, die Domain zu transferieren.
Den Auth-Code finden Sie entweder direkt im Verwaltungsportal Ihres alten Anbieters oder Sie müssen ihn beim Support anfordern. Seriöse Anbieter stellen ihn sofort aus. Manche Anbieter versuchen, den Transfer hinauszuzögern, indem sie den Auth-Code nur per Post versenden oder mehrere Werktage brauchen. Das ist ihr Recht, aber kein gutes Zeichen für den Kundenservice.
Der Auth-Code ist temporär. Er verliert nach einer bestimmten Zeit seine Gültigkeit (meistens 30 Tage). Starten Sie den Transfer also bald nach dem Erhalt.
Schritt 2: Transfer beim neuen Anbieter initiieren
Beim neuen Anbieter gibt es in der Regel eine Funktion "Domain transferieren" oder "Domain umziehen". Sie geben dort den Domainnamen und den Auth-Code ein.
Der neue Anbieter schickt dann eine Transferanfrage an den alten Registrar.
Schritt 3: Transfer bestätigen oder abwarten
Was als nächstes passiert, hängt von der TLD ab.
Bei .ch-Domains läuft der Transfer über SWITCH. Sie erhalten eine E-Mail an die beim Registrar hinterlegte Kontakt-E-Mail-Adresse mit einem Link zur Bestätigung. Klicken Sie diesen Link, wird der Transfer ausgelöst und dauert meistens wenige Stunden.
Bei generischen TLDs wie .com oder .net geht die Anfrage an den alten Registrar. Dieser muss den Transfer entweder aktiv genehmigen oder er läuft nach 5 bis 7 Tagen automatisch durch, wenn er nicht abgelehnt wird. Manche Anbieter schicken Ihnen eine E-Mail, in der Sie den Transfer manuell beschleunigen können.
Schritt 4: DNS-Einstellungen überprüfen
Nach dem Transfer liegt die Domain beim neuen Anbieter. Wenn der neue Anbieter die Nameserver-Einstellungen bei der Übernahme geändert hat, müssen Sie prüfen, ob Ihre DNS-Einträge (A-Record, MX, CNAME usw.) korrekt übertragen wurden.
Bei manchen Anbietern werden die bestehenden DNS-Einträge automatisch importiert. Bei anderen müssen Sie sie manuell neu anlegen. Prüfen Sie nach dem Transfer, ob die Website erreichbar ist und ob E-Mails ankommen.
Was während des Transfers mit der Website und E-Mail passiert
Solange die DNS-Einträge unverändert bleiben und die Nameserver nicht gewechselt werden, merkt kein Besucher etwas vom Transfer. Die Website bleibt erreichbar, E-Mails kommen an, nichts ändert sich für Aussenstehende.
Das Risiko entsteht erst, wenn beim Transfer gleichzeitig die Nameserver oder DNS-Einträge geändert werden. Wenn Sie das tun, beachten Sie die TTL-Werte (die Zwischenspeicherzeit). Vor einer Nameserver-Änderung den TTL auf einen niedrigen Wert (z.B. 300 Sekunden) zu senken hilft, die Umschaltzeit zu verkürzen.
Als Faustregel: Transfer und DNS-Umzug nicht gleichzeitig durchführen. Erledigen Sie zuerst den Transfer, dann die DNS-Änderungen, wenn die Domain beim neuen Anbieter liegt und alles stabil ist.
Was tun, wenn der Transfer stecken bleibt?
Der Auth-Code wird als ungültig abgelehnt. Prüfen Sie, ob der Code Leerzeichen am Anfang oder Ende hat. Kopieren Sie ihn direkt aus der E-Mail oder dem Portal, ohne Leerzeichen zu ergänzen. Wenn er trotzdem nicht funktioniert, fordern Sie einen neuen Code an.
Der alte Anbieter reagiert nicht auf die Transferanfrage. Bei gTLDs läuft der Transfer nach 5 bis 7 Tagen automatisch durch, wenn der alte Registrar nicht antwortet. Warten Sie diesen Zeitraum ab.
SWITCH meldet einen Fehler bei der Bestätigungs-E-Mail. Prüfen Sie, ob die E-Mail-Adresse, die bei SWITCH als Domaininhaber hinterlegt ist, noch korrekt und erreichbar ist. Wenn Sie keinen Zugriff auf diese E-Mail-Adresse haben, müssen Sie sie zuerst beim aktuellen Registrar aktualisieren, bevor der Transfer funktioniert.
Der alte Anbieter verweigert den Transfer. Ein Registrar darf einen Transfer nur in bestimmten Fällen ablehnen, zum Beispiel bei offenen Rechnungen oder aktiver Transfersperre. Offene Rechnungen müssen beglichen werden. Eine Transfersperre können Sie selbst deaktivieren, sofern kein Betrugsfall vorliegt.
Nach dem Transfer: Was nicht vergessen werden sollte
Überprüfen Sie, ob die Domain beim neuen Anbieter auf Ihr Konto eingetragen ist und ob das Ablaufdatum korrekt angezeigt wird. Manche Transfers beinhalten eine kostenlose Verlängerung um ein Jahr, andere nicht.
Aktivieren Sie die automatische Verlängerung oder tragen Sie das Ablaufdatum in Ihren Kalender ein. Eine Domain, die ausläuft, weil die Verlängerung vergessen wurde, kann danach von Dritten registriert werden. Das Zurückbekommen einer abgelaufenen Domain ist aufwändig und teuer, wenn sie bereits von jemand anderem registriert wurde.
Und falls Sie beim alten Anbieter noch andere Dienste hatten (E-Mail-Postfächer, Hosting, SSL-Zertifikate): Prüfen Sie, ob diese unabhängig von der Domain weitergeführt oder ebenfalls umgezogen werden müssen. Ein Domain-Transfer kündigt keine anderen Dienste beim alten Anbieter.
Zusammenfassung
Ein Domain-Transfer läuft so ab:
- Transfersperre beim alten Anbieter deaktivieren
- Auth-Code beim alten Anbieter anfordern
- Transfer beim neuen Anbieter mit Auth-Code initiieren
- Transfer per E-Mail bestätigen (bei
.ch) oder abwarten (bei.comund Co.) - DNS-Einträge beim neuen Anbieter prüfen und bei Bedarf neu anlegen
- Automatische Verlängerung aktivieren
Wer diese Reihenfolge einhält und Transfer und DNS-Änderungen nicht gleichzeitig durchführt, erlebt in den meisten Fällen einen reibungslosen Wechsel.